Was die Radiatorgröße wirklich bestimmt
Eine AIO-Wasserkühlung transportiert die Wärme vom Prozessor über eine Flüssigkeit zum Radiator, wo Lüfter sie an die Luft abgeben. Die Kühlleistung hängt deshalb vor allem von der Radiatorfläche und dem Luftdurchsatz ab. Ein 240-mm-Radiator trägt zwei 120-mm-Lüfter, ein 360-mm-Radiator drei. Die zusätzliche Fläche bringt bei gleicher Last entweder eine niedrigere CPU-Temperatur oder, was im Alltag oft wichtiger ist, dieselbe Temperatur bei geringerer Lüfterdrehzahl. Die Dicke des Radiators spielt ebenfalls eine Rolle: dickere Modelle haben mehr Lamellenfläche, brauchen aber Lüfter mit ausreichend statischem Druck. Wichtig ist auch, dass die Flüssigkeit die Wärme nur puffert. Unter Dauerlast entscheidet am Ende, wie viel Wärme der Radiator pro Minute abgeben kann, nicht die Pumpe und nicht die Menge an Kühlmittel im Kreislauf.
Passende Größe nach CPU-Klasse und TDP
Als Orientierung dient die Leistungsaufnahme des Prozessors unter Volllast, nicht allein die angegebene TDP, denn viele aktuelle CPUs überschreiten sie im Boost deutlich. Prozessoren der Mittelklasse mit sechs bis acht Kernen und moderater Leistungsaufnahme kommen mit einem 240-mm-Radiator gut aus, oft auch mit einem Luftkühler. Bei Modellen mit vielen Kernen, die über längere Zeit mit hoher Leistungsaufnahme laufen, etwa beim Rendern oder Kompilieren, schafft ein 360-mm-Radiator die nötige Reserve. Beachte außerdem die Wärmedichte: Kleine Chips mit hoher Leistung pro Fläche erreichen hohe Temperaturen auch mit großem Radiator, weil der Engpass bei der Wärmeübertragung vom Chip zum Heatspreader liegt. Hier verbessert mehr Radiatorfläche die Lautstärke stärker als die Spitzentemperatur. Die Herstellerangaben zur maximalen Leistungsaufnahme findest du auf der Produktseite des Prozessors.
Lautstärke: Pumpe und Lüfter
Bei einer AIO gibt es zwei Geräuschquellen. Die Lüfter erzeugen ein breites Rauschen, das mit der Drehzahl zunimmt. Ein größerer Radiator erlaubt niedrigere Drehzahlen bei gleicher Kühlleistung und ist daher unter Last meist leiser. Die Pumpe läuft dagegen ständig und kann ein leises Surren oder Brummen erzeugen, das gerade im Leerlauf auffällt, wenn die Lüfter fast stillstehen. Viele Pumpen lassen sich über das Mainboard oder eine Software in der Drehzahl regeln; eine gleichmäßige, etwas reduzierte Pumpendrehzahl ist oft angenehmer als ständige Wechsel. Luftblasen im Kreislauf verursachen Gluckern, was häufig an der Einbaulage liegt. Eine sinnvolle Lüfterkurve, die an der Kühlmitteltemperatur statt an der schnell schwankenden CPU-Temperatur ausgerichtet ist, verhindert zudem das ständige Hoch- und Runterdrehen bei kurzen Lastspitzen.
Platz im Gehäuse: Deckel oder Front
Prüfe vor dem Kauf im Datenblatt des Gehäuses, welche Radiatorgrößen an welcher Position unterstützt werden. Viele Gehäuse nehmen vorne 360 mm auf, im Deckel aber nur 240 oder 280 mm. Im Deckel zählt der Abstand zur Oberkante des Mainboards: Hohe Arbeitsspeichermodule, Kühlkörper der Spannungsversorgung und der 8-polige CPU-Stromanschluss können mit Radiator und Lüftern kollidieren. Die Gesamtdicke aus Radiator und Lüftern liegt meist bei etwa 52 bis 60 mm, bei dickeren Radiatoren entsprechend mehr. In der Front konkurriert der Radiator mit dem Laufwerkskäfig und kann die Länge der Grafikkarte begrenzen, weil er Tiefe im Innenraum belegt. Eine Montage im Deckel als Abluft hält die warme Luft aus dem Gehäuse, eine Montage in der Front als Zuluft gibt der CPU kühlere Luft, wärmt aber die übrigen Komponenten etwas an.
Pumpe und Schlauchführung
Die Pumpe sitzt bei den meisten AIOs im Kühlerblock auf der CPU. Damit sich keine Luft in der Pumpe sammelt, sollte sie nicht der höchste Punkt des Kreislaufs sein. Ein Radiator im Deckel ist daher unproblematisch. Bei einer Montage in der Front zeigen die Schlauchanschlüsse am besten nach unten, damit sich Luft oben im Radiator sammelt und nicht in die Pumpe gelangt. Die Schläuche brauchen genug Länge für die gewählte Position, ohne geknickt zu werden; ein enger Biegeradius kann den Durchfluss verringern und die Schläuche dauerhaft belasten. Achte auch darauf, dass die Schläuche nicht auf der Grafikkarte aufliegen oder an Lüftern scheuern. Viele Kühlerblöcke lassen sich drehen, sodass die Schläuche je nach Gehäuse zur Seite oder nach oben weggeführt werden können.
Wann ein guter Luftkühler reicht
Für viele Systeme ist ein hochwertiger Tower-Luftkühler mit einem oder zwei 120-mm- oder 140-mm-Lüftern völlig ausreichend. Er hat keine Pumpe, die verschleißen oder Geräusche machen kann, kein Risiko einer Undichtigkeit und keine Kühlflüssigkeit, die über Jahre langsam durch die Schläuche diffundiert. Bei Prozessoren mit moderater Leistungsaufnahme liegt ein großer Doppelturm-Kühler oft auf dem Niveau eines 240-mm-Radiators. Die Grenzen liegen bei der Bauhöhe, die das Gehäuse vorgibt, und beim Abstand zu hohen RAM-Modulen. Eine AIO lohnt sich vor allem bei sehr leistungshungrigen CPUs, in Gehäusen mit wenig Höhe für Tower-Kühler oder wenn du die Wärme direkt aus dem Gehäuse leiten möchtest. Unser Konfigurator prüft die Kühlerhöhe und die unterstützten Radiatorgrößen gegen das gewählte Gehäuse.
Checkliste vor dem Kauf
Mit diesen Punkten vermeidest du die häufigsten Fehlkäufe bei einer AIO-Wasserkühlung. Prüfe zuerst die Kompatibilität, dann die Kühlleistung und erst zum Schluss Ausstattung wie Beleuchtung oder Displays im Pumpenblock. Wer seine Konfiguration im Konfigurator zusammenstellt, bekommt die Prüfung von Sockel, Kühlerhöhe und Radiatorplatz automatisch und kann danach im FPS-Rechner abschätzen, wie das System in Spielen abschneidet.
- Sockel der CPU wird vom Montagekit unterstützt
- Gehäuse nimmt die Radiatorgröße an der gewünschten Position auf
- Abstand zu RAM, Spannungsversorgung und CPU-Stromanschluss im Deckel reicht
- Länge der Grafikkarte passt bei Front-Montage noch
- Pumpe ist nicht der höchste Punkt im Kreislauf
- Schläuche sind lang genug und werden nicht geknickt
- Lüfter- und Pumpenanschlüsse am Mainboard sind vorhanden